Lassen Sie sich von Remo inspirieren

Warum hast du dich entschieden eine Erfahrung auf der Plattform jedesalter.ch zu teilen?

Ich war mir bislang einigermassen sicher, dass es in der Schweiz keine Altersdiskriminierung gibt. Auch nach vielen Gesprächen mit Freunden und Bekannten dachte ich, dass zwar gewisse Benachteiligungen existieren, diese aber vor allem mit der Arbeitswelt zu tun haben. Neben dem Fakt, dass Stellen häufig nur für Personen bis 40 ausgeschrieben werden, wird auch bei der Aus- und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer:innen gespart. Dann gibt es noch eine Heiratsstrafe bei der AHV-Rente, was auch nur Pensionierte trifft. Alles andere sind nur gefühlte Benachteiligungen, die mit dem zunehmenden Unvermögen oder der zunehmenden Gebrechlichkeit im Alter zu tun haben.
Dann aber habe ich mich vertiefter mit dieser Thematik auseinandergesetzt und gemerkt, dass Altersdiskriminierung zwar nicht immer offensichtlich, aber oft subtil stattfindet. Auch wenn ich eine solche im Zusammenhang mit meiner Arbeit erfahren habe, ist mir nun bewusst, dass dies auch in vielen anderen Gebieten auftreten kann. Um Altersdiskriminierung erkennen zu können, helfen möglichst viele verschiedene Beispiele. Deshalb teile ich meine Erfahrung gerne auf der Plattform jedesalter.ch.

Warum hast du diese öffentlich geteilt bzw. worin siehst du den Wert darin, dass Erfahrungen öffentlich lesbar sind?

Ich glaube, dass es ganz vielen Senior:innen ähnlich geht wie mir: sie sehen keinerlei Altersdiskriminierung resp. sind sich solcher nicht bewusst. Seine eigene Erfahrung mit Forschenden auf diesem Gebiet zu teilen ist gut. Aber noch viel wertvoller ist es meiner Meinung nach, diese auch anderen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Dies kann Senior:innen helfen, sich dieser Problematik eher bewusst zu werden und jüngeren Menschen aufzeigen, welche Wirkung ihr Verhalten gegenüber älteren Mitmenschen haben kann.

Wie war es für dich persönlich, deine Erfahrung zu reflektieren und aufzuschreiben?

Für mich hat sich ja alles zum Guten gewendet. Ich hatte deshalb auch keine Schwierigkeit, meine Erfahrung zu dokumentieren. Ich denke auch, dass Altersdiskriminierungen oft unterschwellig, also eher unbewusst stattfinden und sich die ‘Täter’ dessen nicht immer gewahr sind.
Ich finde es deshalb wichtig, dass – jetzt auf meinen eigenen Fall bezogen – in der Arbeitswelt nicht einfach angenommen wird, dass jemand z.B. mit 58 nicht mehr in der Lage ist, mitzuhalten. Vielmehr sollte zuerst genau hingeschaut werden wie es tatsächlich um Motivation, Können, Lernfähigkeit, Leistungsbereitschaft sowie Leistungsvermögen steht.

Was würdest du anderen sagen, die vielleicht zögern, ihre Erfahrungen zu teilen?

Das Teilen gerade von negativen Erfahrungen kann einem helfen mit der oft belastenden Situation besser klar zu kommen. Wenn man weiss, dass man nicht die einzige Person ist, die Altersdiskriminierung erfahren hat, macht das sicher alles etwas leichter. Zu erfahren, wie Betroffene damit umgegangen sind, kann für die eigene Bewältigung des Erlebten sehr wertvoll sein. Deshalb würde ich alle ermutigen, diese negativen Erfahrungen zu teilen, damit andere davon profitieren können.

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