Erfahrung
Altersdiskriminierung im Bewerbungsgespräch
Ich wurde zu einem Bewerbungsgespräch (Kanton Neuenburg) für eine Stelle im Finanzbereich eingeladen. Am Gespräch nahmen der Finance Manager und die HR Managerin teil. Das Gespräch begann normal: Wir stellten uns gegenseitig vor und es wurden einige fachliche Fragen gestellt.
Nach dieser ersten Gesprächsphase fragte mich die HR Managerin nach meinem Alter. Ich antwortete, dass ich 62 Jahre alt bin und dass ich motiviert bin, auch über das ordentliche Rentenalter von 65 Jahren hinaus weiterzuarbeiten.
Daraufhin reagierte sie sarkastisch mit der Bemerkung:
„Sie werden also sicher noch bis 80 Jahre arbeiten?“
Anschließend erklärte sie, dass es in meinem Alter riskant sei, eine neue Stelle zu suchen, und dass ich besser bei meinem aktuellen Arbeitgeber bleiben sollte. Kurz darauf sagte sie, das Interview werde beendet. Sie begründete dies damit, dass das Unternehmen niemanden einstellen wolle, der voraussichtlich nur noch zwei Jahre arbeiten würde, und äußerte gleichzeitig ihren persönlichen Frust über ihre hohe Arbeitsbelastung.
Das Gespräch wurde abrupt abgebrochen, und ich wurde nach draußen begleitet.
Es wurden keine fachlichen oder inhaltlichen Gründe genannt, die mein Profil, meine Erfahrung oder meine Qualifikationen betrafen. Die Beendigung des Gesprächs erfolgte direkt im Anschluss an die Frage nach meinem Alter und meine Antwort darauf.
Diese Erfahrung empfand ich als erniedrigend und ungerecht. Sie vermittelte mir deutlich den Eindruck, dass mein Alter ausschlaggebend war – noch bevor meine Kompetenzen, meine Motivation oder meine tatsächliche Verfügbarkeit ernsthaft berücksichtigt wurden.
